linguistik und so …



Call for paper für einen Sammelband zum Thema Transkription von Videodateien

Die multimodale Transkription wird in der aktuellen Kommunikationsforschung immer wichtiger, da nun endlich gute Aufnahme- und Transkriptionsmöglichkeiten bestehen, die die bisher oft rein gesprächsanalytischen Analysen erweitern. Jeder der in diesem Bereich forscht, kann sich nun mit einem Exposee für einen Sammelband bewerben und ein Stückchen Wissen zu diesem Thema schaffen und es im WS-Verlag publizieren.

Während im Bereich der Audioaufzeichnung die Erstellung einer Transkription als Grundlage für Auswertungsprozesse Usus geworden ist, zählt die Frage der Transkription von Videoaufzeichnungen noch immer zu den Herausforderungen in der Qualitativen Sozialforschung. Das vielfach beschriebene Problem der Erfassung von Sukzessivität und Simultaneität wird mithilfe diagrammatischer Notationsweisen in Form von Partituren gelöst. Diese Partiturschreibweisen (computerunterstützt, manuell erstellt oder durch Kombination unterschiedlicher Verfahren gewonnen) verblieben innerhalb der letzten Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum in vielen Fällen im Stadium des Experiments. Der Sammelband enthält daher im Zuge forschungshistorischer Aspekte (TEIL I) zunächst Ausführungen auf der Basis von internationalen Literaturrecherchen zur multikodalen Transkription von Videodaten.

Einen weiteren Teil des Sammelbandes umkreisen forschungsmethodologische Aspekte (TEIL II). Während die Erfassung sprechsprachlicher Informationen im Video im deutschsprachigen Raum sich auf etablierte Forschungsroutinen beziehen kann, wird nichtsprachliche, analoge Information im Video in Ansätzen mittels notifizierender und/oder codifizierender Prozesse erfasst. Die Definition und die Auswahl von Subskriptionszeichen in einer Partitur werfen auf der einen Seite empirisch-methodologische, auf der anderen Seite zeichentheoretische Probleme zur Kommunizierbarkeit von Videotranskriptionen innerhalb der Community auf. Der Sammelband enthält aus unterschiedlichen Methodologien grundlegende Überlegungen zu einem Umgang mit der Multikodalität des Datentypus Video in der Sozialforschung.

Die Darstellung angewandter Forschungspraxis stellt im Zuge der multidisziplinären forschungsmethodischen Perspektive (TEIL III) des Sammelbandes den umfangreichsten Teil des Bandes dar. Denn Videomaterial berücksichtigende Forschungsmethoden in den Qualitativen Sozialwissenschaften bedienen sich entsprechend des Erkenntnisinteresses unterschiedlicher Forschungsmethoden. Neben den eher klassischen Ansätzen aus Kommunikations- und Medienwissenschaften, Soziologie, Bildungs- und Kulturwissenschaften soll der multidisziplinäre Austausch durch Arbeiten aus der Tanz-, Musik- und Filmanalyse, Filmproduktion (Drehbuch, Storyboard) sowie der Thematik audiovisueller Wissensvermittlung im Rahmen einer zunehmend sich ausbreitenden web 2.0-Kultur erweitert werden.

Zuletzt wird die Frage personen- und datenschutzrechtlicher Aspekte (TEIL IV) tangiert, da die Arbeit mit Videomaterial (insbesondere der Kategorie Verhaltensbeobachtung) in vielen Fällen die Frage nach den Rechten der videografierten Erforschten und der Daten selbst eröffnet. Im Prozess der Datenerhebung und –Auswertung sind darüberhinaus – insbesondere in einer zunehmend netzbasierten Arbeitsweise der Forschenden – die schutzrechtlichen Risiken im Umgang (Versendung von Daten, Archivierung, Veröffentlichung) mit visuellen und auditiven Datenmaterialien videografierter Feldpersonen von Bedeutung.

Die Bewerbung läuft bis zum 31.01.2012 und das Exposee sollte maximal 2000 Zeichen haben. Schicken sie das Exposee direkt per E-Mail an die Herausgeberin Dr. Christine Moritz (moritz@feldpartitur.de), die zum Team der Feldpartitur GmbH gehört. Das Manuskript sollte dann bis zum 30.April fertiggestellt werden, damit es im WS Verlag veröffentlicht werden kann.


Kommentare

  1. GG sagt:

    Aber die Transkription schafft etliche Artefakte und andererseits verstellt sie den Blick auf die eigentliche, nur in Audio und Mimik erkennbarer, Nuancierung des Sprechenden. Das will doch etwas rückschrittlich erscheinen.

    | Kommentar Verfasst 1 month, 2 weeks ago
  2. andreposenau sagt:

    Natürlich reduziert eine Transkription die Realität, die man ja eigentlich analysieren möchte. Wie jedoch sollte es sonst möglich sein, mit den bisherigen technischen Mitteln, den Kommunikationsprozess analysefähig zu fixieren und zu publizieren?

    Ideal wären natürlich für diesen Zweck E-Books, in denen die entsprechenden Sequenzen in Bild und Ton in die Publikation integriert werden würden. Jedoch sehe ich die publizierende Zunft und Verlage (nicht nur auf Monographien bezogen, was ist mit Aufsätzen und Sammelbänden?) in dem Bereich in naher Zukunft nicht aktiv werden.

    Sie sprechen in Ihrem Kommentar von Rückschritt. Mich würde (wirklich) sehr interessieren, was für Sie der Standard in diesem Zusammenhang wäre oder sein sollte?

    | Kommentar Verfasst 3 weeks, 1 day ago


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