Das Programm der Arbeitstagung zur Gesprächsforschung steht!
Das Programm für einen der wichtigsten Termine im Jahr steht! Die Arbeitstagung zur Gesprächsforschung, die vom 21. – 23. März 2012 in Mannheim am IDS stattfinden wird, ist durchgeplant und das Programm ist nun online abrufbar. Das Thema in diesem Jahr ist die “Medizinische Kommunikation“.
Medizinische Kommunikation ist ein bedeutsames Thema der angewandten Linguistik und Gesprächsforschung. Insbesondere die Gespräche zwischen Arzt und Patient werden seit Beginn der linguistischen Gesprächsforschung immer wieder und aus verschiedenen Perspektiven be- leuchtet (im Überblick Löning 2001, Heritage/Maynard 2006, Nowak 2010, Nowak/Spranz- Fogasy 2009). Untersucht werden dabei Diskurse beispielsweise als Gesamtheit der Gesprä- che eines vollständigen Behandlungszyklus, einzelne Interaktionstypen wie Erstgespräche, Anamnese, Diagnosemitteilung, Therapieplanung, präoperative Aufklärung etc., spezifische kommunikative Anforderungen wie Beschwerdenexploration, die Überbringung ungünstiger Diagnosen oder die Herstellung von Vertrauen und Compliance und die damit einhergehenden interaktiven Praktiken, die der Bearbeitung dieser Aufgabenstellungen dienen wie beispielsweise der Einsatz unterschiedlicher Fragetypen (Heritage/Robinson 2006, Spranz-Fogasy 2010).
Linguistische Gesprächsforschung leistet dabei Grundlagenforschung zu institutioneller Kom- munikation (Lalouschek et al. 1990), zur Experten-Laien-Kommunikation (Brünner 2005), zur Ermittlung von Handlungsschemata verschiedener Interaktionstypen (Nowak 2010) oder zu Verstehen und Verständlichkeit (Spranz-Fogasy 2010, Brünner/Gülich 2002). Empirische Ana- lysen als Grundlage von Kommunikationstrainings in Aus- und Weiterbildung befassen sich mit den Spezifika einzelner Interaktionstypen, mit kommunikativen Besonderheiten spezifischer Pa- tientengruppen (z.B. der gedolmetschten Kommunikation mit Migranten, vgl. Meyer 2004), mit Voraussetzungen und Auswirkungen spezifischer Aktivitätstypen wie Fragen, Diagnosemittei- lung, Therapievorschlägen oder Aufklärung oder mit sprachlich-kommunikativen Eigenschaften patientenseitiger Relevanzmarkierung (Sator 2003), dem interaktiven Umgang mit Emotionen oder der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Neises et al. 2005), und unmittelbar anwen- dungsbezogen werden auch bereits Leitfäden zur Gesprächsführung (Köhle et al. 2007) und Trainingskonzepte (Menz et al. 2008) entwickelt. Aktuelle Forschungen befassen sich mit der Frage der Kodier- und Quantifizierbarkeit gesprächsanalytischer Kategorien, mit Interventionsforschung, multimodalen Analysen sowie mit anwendungsorientierter interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Insgesamt erweist sich professionelles medizinisches Handeln als in weiten Teilen kommunika- tiv organisiert, vielfach klar strukturiert und meist pointiert handlungsbezogen und zielorientiert. Dieses Untersuchungsfeld bietet für die Linguistik daher die Möglichkeit, linguistische Fragestel- lungen in der gesamten Bandbreite von Grundlagenforschung, Theorien- und Methodenent- wicklung, empirischen Analysen bis hin zur konkreten Anwendung zu bearbeiten.
Die Anmeldung zur Tagung läuft über die Webseite des IDS. Bis zum 17. Februar werden 20,-, danach 30,- fällig. Das Programm zur Tagung können Sie hier (AGF-Programm) runterladen und hier gibt es die Abstracts (AGF-Abstracts) zu den Vorträgen.